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| Pressemitteilung

Das Meer beginnt in Geesthacht

Die neue Hereon-Forschungsplattform Tesperhude liefert wichtige Daten zum Wasser der Elbe

+++ Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Wirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein +++

Das Helmholtz-Zentrum Hereon hat seine neue schwimmende Forschungsplattform in Geesthacht eingeweiht. Hierbei war auch Claus Ruhe Madsen zu Gast, Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein. Stationiert in Tesperhude versorgt die Plattform von ihrem Container aus die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kontinuierlich mit hochaufgelösten, zeitnahen Daten zum Wasser der Elbe. Die erfassten Stoffe gelangen über das Wehr Geesthacht in die Tideelbe und sind so auch relevant für den Hamburger Hafen und den gesamten Wasserweg bis zur Nordsee.

An der Elbe flanieren, im Wind segelnde Möwen beobachten oder einen Kaffee am Strandweg trinken und aufs Wasser hinausblicken – Tesperhude ist ein Ort zum Verweilen. Doch nun ist dieser Geesthachter Spot auch ein Fixpunkt für die Forschenden des Helmholtz-Zentrums Hereon. Mit der Einweihung nimmt die Forschungsplattform ihren vollen Betrieb auf: Sie misst permanent Daten im Wasser, etwa Abfluss und Strömungen, Nährstoffe, Schwebstoffe, Mikroalgen, Treibhausgase und ausgewählte Schadstoffe.

Relevanz für die gesamte Region

Foto Container Forschungsplattform Tesperhude

Die Forschungsplattform wird das Wissen über die Elbe verbessern. Foto: Hereon/ Patrick Kalb-Rottmann

Die Tideelbe zwischen Geesthacht und der Nordsee ist Lebens- und Wirtschaftsraum, Transportweg zum Hamburger Hafen und beliebte Tourismusregion. Allerdings ist dieses Fluss-Meer-System ständigen Veränderungen unterworfen und wird stark durch menschliche Aktivitäten und die Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst. Wesentliche Veränderungen sind zum Beispiel die Menge und Zusammensetzung von Schwebstoffen, die die Messung der schiffbaren Tiefe beeinflussen oder die zu einem Sauerstoffmangel und infolgedessen zu Fischsterben führen können. Besonders im Mittellauf der Elbe kommt es immer wieder zu einem Wachstum von Mikroalgen. In der Tideelbe sterben sie dann ab und ihre Reste werden von Bakterien abgebaut, wobei viel Sauerstoff verbraucht wird. Um diese und weitere Veränderungen vorauszusehen und frühzeitig reagieren zu können, wollen die Forschenden diese Systeme besser verstehen.

Überwacht und ausgewertet durch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kann so ein differenziertes Bild der Elbe und auch ihres Sediments als eine der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands gezeichnet werden – und wie diese entweder durch die Natur oder menschengemacht geprägt wird. Neben der Nutzung für den Transport ist die Elbe auch der Garant für die Verfügbarkeit von Wasser für Kommunen und ansässige Unternehmen.

Der Minister schwimmt mit

Foto von Wirtschaftsminister Madsen

Minister Claus Ruhe Madsen weihte die Forschungsplattform ein. Foto: Hereon/ Marc Schultz-Coulon

Claus Ruhe Madsen, Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, sagte bei der Einweihung: „Mit der Forschungsplattform Tesperhude können wir die Elbe besser verstehen und auf Veränderungen wie etwa Extremwetterereignisse schneller reagieren. Das ist nicht nur gut für die Wissenschaft und den Standort Geesthacht, sondern zukunftsweisend für die gesamte Region im Süden von Schleswig-Holstein.“

Für die Hereon-Forschenden ist die Eröffnung ein lang herbeigesehnter Moment. „Die Plattform ist technisch ausgefeilt und kann jetzt noch mehr als das, was wir in der ersten Planungsphase vorgesehen hatten. Sie ist eine Weiterentwicklung unserer Forschung und wird wichtige Hinweise über den Transport von Substanzen – wie etwa Nähr- und Schadstoffe – in der Elbe liefern“, sagt Volker Dzaak, Abteilungsleiter Logistik und Organisation in der Küstenforschung, der den Bau der Plattform von Hereon-Seite aus federführend begleitet hat.

Hintergrund

Die gesammelten Daten sind unter anderem von Interesse, um vorausschauend planen und handeln zu können. Die Daten werden im „Helmholtz Coastal Data Center“ (HCDC) gespeichert und sind schnell verfügbar, was insbesondere bei Extremereignissen wie Hoch- oder Niedrigwasser besonders wichtig ist. Interessierte aus Wissenschaft und Wirtschaft können sowohl die Daten nutzen als auch die Forschungsplattform selbst, um etwa neue Methoden zur Wasseruntersuchung oder andere Technologien zu testen bzw. weiterzuentwickeln.

Der Aufbau der Forschungsplattform für 1,5 Millionen Euro wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, des Landes Schleswig-Holstein, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und des Helmholtz-Zentrums Hereon gefördert. Ausführende Werft für den Schwimmponton war die Hitzler-Werft in Lauenburg, wo derzeit auch das neue Forschungsschiff des Hereons, die LUDWIG PRANDTL II, gebaut wird.

Hinweis

Am 16.12.22 wurde im Rahmen eines internen Wettbewerbes unter den Hereon-Mitarbeitenden der zukünftige Name des neuen Forschungsschiffes gefunden. Das Schiff wird „Coriolis“ heißen. Der ausgewählte Name geht auf den Mathematiker und Physiker Gaspard Gustave de Coriolis (1792–1843) zurück und ersetzt damit den bis dato genutzten Arbeitstitel „Ludwig Prandlt II“.

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Volker Dzaak Abteilungsleiter Logistik & Organisation

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