Preis für Digitale Implantatforschung
Das Helmholtz-Zentrum Hereon ist Teil des Forschungsverbunds „Initiative for Digital Implant Research“ (IDIR), der für seine Pionierarbeit in der digitalen Implantatforschung mit dem Norddeutschen Wissenschaftspreis 2026 ausgezeichnet wurde. Das Projekt entwickelt Digitale Zwillinge von Implantaten, um deren Verhalten im menschlichen Körper realitätsnah zu simulieren. Ziel ist es, Implantate sicherer und effizienter zu gestalten und den Weg für eine stärker personalisierte Medizin zu ebnen.
Von links nach rechts: Bettina Martin (Wissenschaftsministerin MV), Prof. Sylvia Saalfeld (UKSH), Wiebke Wollenberg (Uni Rostock), Prof. Regine Willumeit-Römer (CAU Kiel & Hereon), Dr. Alexander Hermann (TUHH), Dr. Naomi Larsen (UKSH), Dr. Dorit Stenke (Wissenschaftsministerin SH) Foto: Holger Martens
Die virtuellen Abbilder von Implantaten und ihrer biologischen Umgebung ermöglichen es, das Zusammenspiel von Material und Körper realitätsnah am Computer zu simulieren. Dadurch sollen Implantate künftig individueller an Patientinnen und Patienten angepasst, Entwicklungszeiten verkürzt und die Zulassung beschleunigt werden. Klinische Anforderungen fließen dabei direkt in die Forschung ein.
Das Hereon bringt seine Expertise in den Bereichen Biomaterialien, Materialwissenschaften, Datenanalyse und computergestützte Modellierung ein. Das geschieht im Verbund mit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und der Universität Rostock.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung. Denn die Zukunft liegt in drei Innovationsfeldern: Personalisierte Implantate, verbesserte Materialauswahl und die Entwicklung neuer Implantate durch Computersimulationsmodelle und KI“, sagt IDIR-Sprecherin Prof. Regine Willumeit-Römer, langjährige Leiterin des Hereon-Instituts für Metallische Biomaterialien, zwischenzeitig kommissarische Wissenschaftliche Geschäftsführerin am Hereon und Initiatorin der Kooperation. Seitens der TUHH am Projekt beteiligt ist Prof. Christian Cyron, der auch das Hereon-Institut für Werkstoffsystem-Modellierung leitet.
Die Jury hob die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit, die internationale Sichtbarkeit der beteiligten Forschenden sowie das Potenzial hervor, Norddeutschland als Innovationsstandort für digitale Gesundheits- und Implantat-Technologien zu stärken.
Hintergrund: Norddeutscher Wissenschaftspreis
Der Norddeutsche Wissenschaftspreis wird seit 2012 von der Norddeutschen Wissenschaftsministerkonferenz vergeben. Er würdigt herausragende länderübergreifende Forschungskooperationen, die wissenschaftliche Spitzenleistungen erbringen, wissenschaftliche Netzwerke stärken und die internationale Sichtbarkeit des Standorts Norddeutschland erhöhen. 2026 lag der Schwerpunkt auf den Lebenswissenschaften. Es gingen 35 Bewerbungen ein, von denen drei prämiert wurden. Das Preisgeld von 250.000 Euro wird zu gleichen Teilen auf die drei Projekte aufgeteilt. Die Jury besteht aus renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit interdisziplinärer Expertise.
Spitzenforschung für eine Welt im Wandel
Das Ziel der Wissenschaft am Helmholtz-Zentrum Hereon ist der Erhalt einer lebenswerten Welt. Dafür erzeugen rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wissen und erforschen neue Technologien für mehr Resilienz und Nachhaltigkeit – zum Wohle von Klima, Küste und Mensch. Der Weg von der Idee zur Innovation führt über ein kontinuierliches Wechselspiel zwischen Experimentalstudien, Modellierungen und künstlicher Intelligenz bis hin zu Digitalen Zwillingen, die die vielfältigen Parameter von Klima und Küste oder der Biologie des Menschen im Rechner abbilden. Damit wird interdisziplinär der Bogen vom grundlegenden wissenschaftlichen Verständnis komplexer Systeme hin zu Szenarien und praxisnahen Anwendungen geschlagen. Als aktives Mitglied in nationalen und internationalen Forschungsnetzwerken und im Verbund der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt das Hereon mit dem Transfer der gewonnenen Expertise Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft.